Trendsport mit Südsee-Feeling
Bericht Pforzheimer Zeitung Juni 2026 von Nico Roller
Wenn die Sonne scheint und die Temperaturen steigen, ist die Zeit reif für Beachvolleyball. Warum sich die Sportart so großer Beliebtheit erfreut, wird bei einem Turnier in Mönsheim deutlich. Veranstalter und Teilnehmer erklären, was für sie die Faszination Beachvolleyball ausmacht.
Bei jedem Schritt gibt der golden glänzende Sand unter den Füßen etwas nach. Es ist heiß, sehr heiß, mit Temperaturen um die 40 Grad einer der wärmsten Tage des gesamten Sommers. Doch der Stimmung tut das keinen Abbruch. Alle Teilnehmer sind mit Freude bei der Sache, alle haben Spaß an einer Sportart, die viel Kraft und Konzentration von ihnen verlangt: Beachvolleyball. Auf der weitläufigen Anlage am Mönsheimer Ortsrand herrscht Hochbetrieb. Pritschend, baggernd und schlagend versuchen die Sportler, den Ball so über das Netz zu bringen, dass ihn die Gegner nicht korrekt zurückspielen können. Gelingt das, gibt es keine lauten Jubelschreie, nur ein kurzes Abklatschen unter Teamkollegen. Die Stimmung ist locker, die Atmosphäre entspannt. Zwölf Teams messen sich bei dem Turnier, das der Mönsheimer Volleyballclub ausgerichtet hat: mit großem ehrenamtlichem Engagement und einer bis ins letzte Detail durchdachten Organisation. „Die Mannschaften sind richtig gut drauf“, sagt Edwin Unterweger, als er den Blick über die drei nebeneinander liegenden Sandplätze schweifen lässt. Der Vorsitzende ist zufrieden. „Heute macht es richtig Spaß.“ Gespielt wird in gemischten Zweier-Teams, immer mit einer Frau und einem Mann. Alter und Vorerfahrung spielen keine Rolle. Mitmachen kann jeder: vom erfahrenen Liga-Spieler bis zum Hobbysportler, vom Teenager bis zum reiferen Erwachsenen.

Egal, wen man fragt: Alle loben das Turnier. Auch Alfred Maurer, der fast jedes Jahr dabei ist, immer mit ein paar Kollegen aus seinem Verein, dem FSV Deuflingen, bei dem er Trainer und Leiter der Volleyball-Abteilung ist. „Wir versuchen, so oft wie möglich herzukommen“, sagt Maurer, der das Turnier in Mönsheim „einfach immer schön“ findet. Nicht nur Edwin Unterweger und seine Familie kennt er schon lang, sondern auch viele der anderen Teilnehmer. „Das ist das Schöne am Beachvolleyball: Man trifft sich immer wieder.“ Aber Maurer fallen noch weitere Punkte ein. Etwa das „Summerfeeling“, die gute Musik und das nahegelegene Freibad, in dem sich die Teilnehmer des Turniers abkühlen können. Den Reiz des Beachvolleyballs macht für ihn auch aus, dass man dabei aktiver sein muss als in der Halle. Zumindest, wenn man es klassisch in Zweier-Teams spielt. „Man weiß genau, dass einem jeder zweite Ball gehört.“ Maurer hat den Eindruck, dass es beim Beachvolleyball lockerer zugeht, zwar mit einem gewissen sportlichen Ehrgeiz, aber ohne Konkurrenzdenken. „Der Spaß steht klar im Vordergrund.“

Ähnlich sieht das Markus Buban, der zum ersten Mal am Mönsheimer Turnier teilnimmt. „Die Leute sind total entspannt, die Organisation ist einfach mega.“ Er bezeichnet Beachvolleyball als „Gemeinschaftssport mit hohem Individualanteil“, denn: „Du bist 50 Prozent der Mannschaft.“ Dadurch sei man ständig gefordert, ohne Pause: „Irgendetwas hat man immer zu tun.“ In der Halle ist das laut Buban etwas anders, allein schon wegen der fünf Mitspieler. „Da kann es sein, dass man drei Minuten keinen Ball bekommt.“ Für Buban hat Beachvolleyball etwas mit Urlaubsgefühl zu tun. „Wenn dann noch die Sonne scheint, ist es perfekt.“ Auch für Lenny geht es dabei um „Sand und Sonne“. Der 17-Jährige bildet ein Team mit der ein Jahr jüngeren Amelie. Beide spielen Volleyball in Mönsheim, Lenny zusätzlich zweimal pro Woche Beachvolleyball in Leonberg: nicht im Ligabetrieb, sondern aus Spaß. Der 17-Jährige hat zuerst Beachvolleyball, dann erst Hallen-Volleyball gespielt, weil das Feld im Freien im Gegensatz zu Halle für ihn und seine Freunde öffentlich zugänglich war. Lenny findet Beachvolleyball persönlicher, weil man nur zu zweit ist. „Man muss sich besser abstimmen“, sagt er: „Und man muss alles können.“ Was ihm mehr Spaß macht, kann Lenny sofort sagen: „Beachvolleyball, definitiv.“ Amelie findet: „Beachen ist cool, die Halle auch, aber Beachen ist ein bisschen cooler.“
Edwin Unterweger schätzt beides. „Aber ich mag sowieso alle Sportarten.“ Deshalb hat der Vorsitzende des VC Mönsheim vor ein paar Jahren einen Triathlon ins Leben gerufen, der Beachvolleyball mit Beach- und Tischtennis kombiniert. Aus seiner Sicht ist Beachvolleyball „mehr Lifestyle“, mit einer „ganz anderen Atmosphäre“: viel lockerer und entspannter, mit Popmusik, die bei Turnieren in der Halle undenkbar wäre. „Beachvolleyball ist gleich, aber anders“, sagt Unterweger: „Klingt komisch, ist aber so.“ Was er damit meint, zeigt ein Blick auf die Technik, die in der Halle zwar grundsätzlich ähnlich ist wie im Freien, aber eben nicht genau gleich. Zum Beispiel beim Springen. Weil der weiche Sand nachgibt, braucht es einen stärkeren Stemmschritt, der beide Beine gleichzeitig in die Luft befördert. Der entscheidende Unterschied ist für Unterweger aber der Umstand, dass man sich beim Beachvolleyball nicht spezialisieren kann. Zumindest nicht, wenn man es klassisch in Zweier-Teams spielt. „Dann macht jeder Abwehr und Angriff.“ In der Halle gibt es dagegen verschiedene Positionen, etwa den Steller, den Mittelblocker, den Diagonalspieler und den Libero. Bei sechs Teammitgliedern ist man nicht an jeder Aktion beteiligt. Im Freien schon.
Für die Gelenke ist Beachvolleyball durch die Bewegungen im weichen Sand zwar deutlich schonender, für den Rest des Körpers aber wesentlich anstrengender. Kraft und Dynamik spielen eine viel größere Rolle, bis zum Schluss. Denn: „Gewonnen hat der, der am Ende den Punkt holt.“ Spielen kann man Beachvolleyball überall: in jedem Freibad, an jedem Strand im Urlaub, ohne Vereinszugehörigkeit, ohne Schuhe, ohne Trikots, nur in der Badehose oder im Bikini. Beim Turnier in Mönsheim geht es locker und entspannt zu, trotz der großen Hitze stattfinden. Um ihr Rechnung zu tragen, hat man Anpassungen vorgenommen, etwa bei der Zahl der teilnehmenden Mannschaften, die man bewusst auf zwölf begrenzt hat, damit genug Zeit zum Abkühlen bleibt und das Turnier nicht so lang dauert. „Es ist heiß, aber wir gehen vernünftig damit um“, sagt Unterweger, der damit auch die ausgedehnten Pausen meint. Auf dem Gelände gibt es viel Schatten, mehrere Duschen für Körper, Klamotten und Bälle, zudem Geräte, mit denen man den Sand befeuchten kann. Die Teilnehmer erhalten gekühlte Getränke und Handtücher, die mit Wasser getränkt über Kopf und Schultern gelegt werden können. Wenn es einem der Teilnehmer zu heiß wird, unterbricht man für ein paar Minuten.
Viele tragen Mützen, einige der Männer haben ihre T-Shirts ausgezogen. Wenn sie gerade kein Spiel haben, nutzen die Sportler die Gelegenheit, um sich im benachbarten Freibad eine Abkühlung zu verschaffen. Der Eintritt ist in der Teilnahmegebühr bereits inklusive. Normalerweise wären als Schiedsrichter die Mannschaften im Einsatz, die gerade nicht spielen. Doch darauf hat man verzichtet, damit die Sportler nicht länger in der Sonne sind als nötig. Unbedingt brauchen würde man die Schiedsrichter laut Unterweger ohnehin nicht. „Bei uns gehen alle ehrlich miteinander um.“ Fairness steht an erster Stelle. Vor und nach jedem Spiel reichen sich die Sportler die Hand, auch bei der Hitze. Diskussionen oder Streitigkeiten gibt es nicht, dafür viele Gelegenheiten abseits des Spielfelds miteinander ins Gespräch zu kommen. Ein weiterer Punkt, der Beachvolleyball aus Unterwegers Sicht so beliebt macht: die Geselligkeit, das ungezwungene Beisammensein. Der Vorsitzende weiß, dass ein gesunder Ehrgeiz zwar gern gesehen wird, aber nur in einem gewissen Rahmen. „Natürlich will jeder gewinnen und weiterkommen, aber in erster Linie geht es um den Spaß.“ In Mönsheim hat der Volleyballclub auf seiner Anlage an alles gedacht: an eine Außenküche, an genug Schattenplätze und an eine Musikanlage. „Wir haben hier optimale Rahmenbedingungen“, sagt Unterweger, der damit auch den Sand meint. „Wir mussten lang suchen, bis wir den gefunden haben.“ Die 0,2 Millimeter großen Körner sind vollständig rundgewaschen, damit sie in der Haut keine kleinen Risse verursachen. Die Teilnehmer wissen das zu schätzen. – Nico Roller